ILS Nordoberpfalz

Gewichtige Einsätze in 2018

Meldung vom 19.02.2019 Schon das Wort klingt abschreckend: Umladung. So heißt der Vorgang, wenn ein Deutscher in Tschechien verunglückt und dann an der Grenze in einen bayerischen Rettungswagen wechseln muss. Das ändert sich zur Freude der Rettungskräfte gerade.

Wie der Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz, Herbert Putzer, bei der Jahresbilanz 2018 mitteilte, klappe die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen immer besser. Zumindest an der Grenze zum Bezirk Pilsen, der die Landkreise Neustadt und Schwandorf und damit auch die Stadt Weiden berührt.

Für diesen Bereich hat der Bezirk Oberpfalz ausgehandelt, dass Umladungen an Grenzübergängen passé sind. Befördert ein tschechischer Rettungswagen einen Deutschen, bringt er diesen gleich in ein grenznahes Krankenhaus auf bayerischer Seite. Umgekehrt läuft es genauso. Für 2019 hoffen Putzer und seine Mitstreiter, dass dies auch für den Raum zwischen Mähring und Waldsassen gelingt. Der grenzt an den Bezirk Karlsbad, mit dem es ein entsprechendes Abkommen noch nicht gibt. So waren 2018 am Übergang Hundsbach immer noch rund 200 Umladungen gang und gäbe, die für Patienten und Sanitäter Strapazen bedeuten. Apropos: Anstrengend ist auch eine andere Entwicklung. Immer häufiger haben es Feuerwehrleute oder Rettungsdienst-Mitarbeiter mit Patienten zu tun, die über 160 Kilo auf die Waage bringen. „Statistisch hatten wir 2018 jeden zweiten Tag einen“, sagt Putzer. Für diese Schwergewichte braucht es spezielle Rettungswagen. Doch das können die Helfer am Telefon in der Leitstelle oft nicht wissen.

Diese Disponenten können bis zu 900 Einsatzmittel disponieren und alarmieren. Deren Radius reicht von Waldershof bis Luhe und von Altzirkendorf bis Waidhaus. In 80 Prozent der Fälle ist dies innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen zwölf Minuten machbar, erklärt Putzer. Ein weiterer Rettungswagen wird Mitte des Jahres 2019 in Wernersreuth stationiert, der in Griesbach darf bleiben. Das ILS-Gebiet ist seit November 2018 neu in 2000 Zonen unterteilt. Vorher waren es 1300. Das soll die Alarmierung noch genauer machen. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 90811 Mal Fahrzeuge der verschiedenen Rettungsdienste im Einsatz. Das ist 4142 Mal öfter als 2017. „Ein Hauptgrund ist die älter werdende Bevölkerung“, erklärt Alfred Rast, Geschäftsleiter des Rettungszweckverbands. Etliche ältere Bürger sind auch für einen weiteren auffallenden Aspekt der Statistik verantwortlich. Rotkreuz-Leute mussten 961 Mal öfter zu Fällen von Herz- und Kreislaufattacken ausrücken. Das ist eine Steigerung um 28 Prozent. Die positive Nachricht schob Rast gleich hinterher: „In Weiden herrschen beste Voraussetzungen, dass so etwas gut ausgeht.“ Landrat Andreas Meier als Vorsitzender des Rettungszweckverbands wollte beim Pressegespräch trotzdem lieber nichts riskieren. „Ich lange jetzt bewusst nicht auf die Krapfen und Wurstsemmeln hin.“

 

 


 

Angemerkt

Die 112 macht Karriere

Exakt 90811 Mal schickte die Integrierte Leitstelle 2018 Blaulichtfahrzeuge los.

Das reichte vom Suizid vor dem Kindergarten in Neunkirchen bis zum Papierkorbbrand vor einer Schule, weil Lausbuben gezündelt haben.

Die Zahl klingt dennoch hoch und damit erschreckend. Doch in ihr verbirgt sich ein positiver Kern. Beispiel: Herzinfarkte. War es speziell in ländlichen Regionen früher gerne mal üblich, beim Stechen in der Brust heldenhaft auszuhalten, bis am nächsten Morgen der Hausarzt aufsperrt, rufen nun immer schneller Menschen die 112. Das deutet auf zweierlei hin. Erstens haben die Rettungskräfte mit ihrer einheitlichen Notrufnummer gute Öffentlichkeitsarbeit betrieben, zweitens hat sich das gute Netz der Rettungswachen mit ihren zwölf-Minuten-Fristen herumgesprochen. Der flotte Griff zum Telefonhörer ist im Zweifelsfall immer richtig, auch wenn manche Zeitgenossen die ILS bei harmlosen Fällen gerne mal als schnelle Alternative ausnutzen. Etwa wenn der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst den nächsten Termin erst in drei Stunden in Aussicht stellt.