ILS Nordoberpfalz ILS Nordoberpfalz ILS Nordoberpfalz

Leben retten als Berufung

Meldung vom 23.09.2019 Ein Mitarbeiter zündet im Büro des Chefs eine Stinkbombe. Der revanchiert sich mit einem Tritt in den Hintern. Trotzdem macht der eine den anderen zum Nachfolger. Der singt dafür ein Loblied auf den Vorgänger. In das stimmen 137 Menschen im Rathaus ein.

Verabschiedungen haben es so an sich, dass Anekdoten hervorgekramt werden, die langjährige Weggefährten verbinden. Im Fall von Herbert Putzer, der am 1. Oktober nach 42 Jahren im Rettungswesen die Leitung der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) an Jürgen Meyer übergibt, ging es oft um Leben oder Tod. Die Frage hängt an Minuten, die es dauert, bis Feuerwehrleute oder Ersthelfer an einer Unfallstelle oder einem Brandherd sind.

Wenn es dick kommt, sind Putzer und seine Mitstreiter jeden Tag mit solchen Situationen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund ist eine Stinkbomben-Schote eine skurrile Lockerungsübung in einem sonst sehr ernsten Geschäft. Klingt es also zynisch, wenn der Chef mit den Worten, ihm habe seine Arbeit „immer Spaß gemacht“, auf Wiedersehen sagt? Nein, „er hat das gelebt“, versichern Menschen, die ihn gut kennen.

Da wäre Alfred Rast, Geschäftsleiter des Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung. „Ich durfte zehn Jahre dein Vorgesetzter sein, das war eine sehr angenehme Zusammenarbeit.“ Drei Verdienste Putzers hebt er besonders hervor: die Einführung des Ersthelfersystems (Helfer vor Ort) beim Roten Kreuz, die bayernweit Signalwirkung hatte, den Umbau der Rettungsleitstelle in die ILS und die Unterstützung für den Hubschrauberstandort in Latsch.

Der gelernte Schreiner aus Grub bei Moosbach habe eben Fingerspitzengefühl, erinnert sich OB Kurt Seggewiß an die Ausschreibung bei der Gründung der ILS. BRK und Feuerwehr traten dabei als Konkurrenten auf. Zusammen mit Putzer und Altlandrat Simon Wittmann sei es aber gelungen, sie unter einem Dach zu vereinen. „Blaulichtorganisationen dürfen mental nicht voneinander getrennt sein“, betont Seggewiß.

Alles klar für den Wechsel an der Spitze der Integrierten Leitstelle (ILS). Herbert Putzer (links) übergibt seinen Posten unter liebevollem Spott von Dr. Oliver Tissot (Mitte) an Jürgen Meyer (rechts).

Im großen Sitzungssaal des Rathauses bietet sich am Freitagvormittag somit auch ein eindrucksvolles Bild des Zusammenhalts. Polizisten, Ärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute: Sie alle zeugen großteils in Uniform Respekt vor einem Mann, der sich in tiefer Dankbarkeit („Die Lorbeeren haben sich alle Mitarbeiter verdient“) in den Ruhestand verabschiedet. Auf ihn warten nun Runden mit dem Aufsitzmäher und das „Ängaschmaa“ – ein Lieblingswort Putzers – bei der Kinderkrebshilfe.

Das Pathos, das solche Momente innehaben, kühlt höchst kurzweilig Dr. Oliver Tissot ins Humoristische runter. Der mittelfänkische Comedian ist das Gesicht der neuen ILS-Plakatkampagne. Bekannt ist der Wortakrobat vom Veitshöchheimer Fasching. Tissot erwähnt nicht nur die Stinkbombe und Putzers Vorliebe für Gelbwurst, sondern blickt mit gespieltem Entsetzen in die Zukunft: „Nach dem Herbert sind die Metzger am Ruder“, spielt er auf Robert Schmid, gelernter Fleischer und neuer stellvertetender ILS-Leiter, an. „Als Metzger hat man Ahnung von Anatomie“, stützt Landrat Andreas Meier als Vorsitzender des Rettungszweckverbands diese Personalie. Er spricht von der „Ehre“, Putzers Chef gewesen zu sein. In diesem Sinne verspricht Jürgen Meyer als Nachfolger ein „fairer und ergebnisoffener Ansprechpartner“ zu sein. Sein souveräner Auftritt verrät, dass er dem Alter des Stinkbombenlegers längst entwachsen ist.

 

Mit einer Urkunde und reichlich Lob für unermüdlichen Einsatz und konstruktive Zusammenarbeit aus dem Mund von Rettungszweckverbandschef Andreas Meier (rechts) geht Leitstellen- Kapitän Herbert Putzer in den Ruhestand.