ILS Nordoberpfalz

Stresstest für Leitstelle

Meldung vom 22.02.2019 Sieben größere Alarmierungen fast auf einen Streich: Rettungsdienste sind vorbereitet.

An Tagen wie diesen ist der Integrierten Leitstelle nicht zum Singen zumute. Innerhalb von nicht einmal zwei Stunden müssen die Disponenten Feuerwehren und Rettungswagen zu sieben Einsätzen losschicken, die allesamt dramatisch klingen.

  • 5.04 Uhr: Unfall mit einem Lastwagen bei Naabdemenreuth,
  • 5.32 Uhr: Brandalarm in einer Firma in Meerbodenreuth,
  • 6.04 Uhr: Verpuffung mit Schwerverletztem im Constantia-Werk Pirkmühle,
  • 6.12 Uhr: schwerer Verkehrsunfall auf der B 470 bei Schwarzenbach,
  • 6.18 Uhr: Wohnungstüröffnung bei einer Person mit psychischen Problemen in Waldsassen,
  • 6.40 Uhr: Unfall bei Altenstadt/WN,
  • 6.49 Uhr: Unfall in der Christian-Seltmann-Straße in Weiden.

Allein in Pirkmühle waren neun Feuerwehren, ein THW-Fachberater, ein Rettungswagen, ein Notarzt, ein Helikopter und ein Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort. Doch was geschieht, wenn Otto Normalpatient bei diesem Szenario plötzlich im Wohnzimmer Herzschmerzen bekommt oder beim Nachbarn gegenüber dicker Qualm aus dem ersten Stock dampft? „Schwierig, aber machbar“, sagt ILS-Pressesprecher Jürgen Meyer. 

„Der Schichtleiter hat um 6 Uhr die Nachbesetzung alarmieren lassen. Bis 9.30 Uhr waren zehn Leute da.“ Normalerweise sind es untertags fünf und nachts drei. „Und bei Bedarf können wir auch noch aus der Verwaltung rekrutieren“, beruhigt Meyer. Daneben hat das Rote Kreuz mit dem Rettungszweckverband Nordoberpfalz einen Vertrag. Darin wird zusätzliches Personal garantiert. Für Sonderbedarf stehen etwa in Tirschenreuth, Neuhaus oder Windischeschenbach weitere Rettungswagen bereit. Zusammen mit Krankentransportern könnten so theoretisch bis zu 32 Rettungsfahrzeuge zwischen Stiftland und Luhe ausrücken.

Auch wenn dieser Donnerstag vielen lange in Erinnerung bleiben wird – an die Grenzen stieß die Integrierte Leitstelle bei einem anderen Ereignis: dem Unwetter vom Sonntagabend, 24. September 2018. „Das hat kein Meteorologe kommen sehen.“ Innerhalb von wenigen Minuten ging im Raum Grafenwöhr und Weiden die Welt unter. „Das, was dann kam, kannst du in einer Schicht nicht stemmen“, sagt Meyer.

Trotzdem geriet niemand in Lebensgefahr, weil die Rettungskräfte nicht hinterhergekommen wären. An einem durchschnittlichen Arbeitstag arbeitet eine Disponentenschicht bis zu 150 Telefonate in acht Stunden ab. „Das reicht vom Durchfall bis zum Sturz.“ Bei aller Professionalität bekommen aber auch Notfallsanitäter, die schon viel gesehen und gehört haben, dabei manchmal Gänsehaut, erklärt Meyer. „Oft wenn es um Kinder, Verwandte oder Freunde geht.“