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Wegen Bombenverdacht: Leitstelle wird evakuiert

Meldung vom 17.09.2020 Es ist bayernweit einmalig: Die Integrierte Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz wird evakuiert. Sie muss kurzzeitig nach München umziehen. Zu nah liegt sie an einem möglichen Blindgänger, nach dem der Kampfmittelräumdienst suchen wird.

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz muss wegen eines Bombenverdachts in unmittelbarer Nähe zum Gebäude ab Donnerstag, 24. September 2020, kurzzeitig umziehen. Trotz dieser Evakuierung wird sie im Notfall ohne Unterbrechung über die 112 erreichbar und voll einsatzfähig sein, betont ILS-Chef Jürgen Meyer. Dies ist aber nur möglich, weil die durchaus komplizierten Vorbereitungen für den bayernweit – womöglich gar deutschlandweit – einmaligen kurzzeitigen Umzug einer kompletten Leitstelle in eine andere Stadt bereits seit Wochen laufen.

Notunterkunft in München

„Der gesamte Dienstbetrieb muss evakuiert werden“, so Meyer. Denn am Sonntag, 27. September 2020 will die Stadt dem Verdacht nachgehen, dass nördlich oder nordwestlich des Stadtfriedhofs, und damit unweit der ILS an der Ulrich-Schönberger-Straße, eine Fliegerbombe in der Erde liegt. Bei Sondierungen im Zuge von Bauarbeiten für Kunstrasenplätze wurde dieser Verdacht laut. Im Umkreis von 500 Meter müssen deshalb gut 1500 Menschen ihre Häuser verlassen – auch die ILS. „Wir ziehen mit unserer Dienststelle in eine Notunterkunft nach München, sie liegt nahe der Theresienwiese“, sagt Meyer.

 

Amberg zu klein

Die Kollegen der Berufsfeuerwehr München betreiben an der Feuerwache 3 eine Not-ILS, in die sich die Weidener Disponenten einmieten, um für fünf Tage von der Landeshauptstadt aus die etwa 200 Einsätze pro Tag in der Nordoberpfalz wie gehabt zu koordinieren. Binnen 24 Stunden würden um die 400 Anrufe eingehen. Am Evakuierungswochenende ist wohl mit noch mehr zu rechnen. Eigentlich sei in einer Art Notfallplan Amberg als Ausweichstelle vorgesehen. „Doch wegen der Corona-Maßnahmen finden wir dort nicht genügend Platz.“ Also geht’s nach München. Für die Gastfreundschaft ist Meyer mehr als dankbar. „Wir dürfen hier kostenlos arbeiten, die Manpower und der technische Betrieb werden uns für den Notbetrieb zur Verfügung gestellt.“

 

Ein 15-köpfiges Team der ILS aus Weiden wird nach München wechseln. Insgesamt sind 37 Hauptamtliche bei der ILS beschäftigt. Dazu kommen noch 19 geringfügig Beschäftigte für den Telefondienst. Am Donnerstag, 24. September 2020, dem Tag des Umzugs, werde die ILS einen aufwendigen Doppelbetrieb fahren – vorsichtshalber: Notrufe werden demnach in Weiden sowie in München entgegengenommen und koordiniert. „Das braucht es allein schon um sicherzustellen, dass die komplizierte Technik nach und nach korrekt von Weiden nach München umleitet wird“, erklärt Meyer. Brandmeldeanlagen zum Beispiel müssten dann in München statt Weiden Alarm schlagen. Und allein davon gebe es zig in der Nordoberpfalz, die direkt mit der ILS verbunden sind. Kosten trägt die Stadt Weiden.

 

Über den Rettungsdienst hinaus gilt es, Menschliches zu regeln: Wo kommen die Disponenten in München unter? „Letztlich haben wir für alle Zimmer in einem Hotel an der Landsberger Straße bekommen samt flexibler Absprachen.“ Das heißt, kein Zimmerservice für müde Disponenten nach der Nachtschicht. Dafür ein gemeinsames Frühstück für das Dienst-Team trotz Corona-Auflagen in einem abgeschotteten Bereich. Klingt teuer. „Die Zusage der Kostenübernahme für die Maßnahme seitens der Stadt haben wir schon.“ Es sind städtische Grundstücke, auf denen nach einer Fliegerbombe gesucht wird. Folglich ist es auch die Stadt, die den Großeinsatz koordiniert.

 

Verdachtspunkt 130 Meter weg

Wo genau die besondere Gefahrenstelle auf diesen Grundstücken nördlich und nordwestlich des Stadtfriedhofs liegt, will die Stadt noch nicht bekanntgeben. Die ILS jedenfalls scheint vom Verdachtspunkt nur 130 Meter weg zu liegen.

Im Fall einer kontrollierten Sprengung dürfte die Druckwelle im Gebäude spürbar sein. Die Disponenten in München werden davon nichts mitbekommen, deren Chef, der von Weiden aus koordiniert, schon. „Wir sind jedenfalls hier wie da hervorragend aufgestellt“, betont Meyer. „Der Rettungsdienst und die Feuerwehralarmierung ist zu jeder Zeit sichergestellt.“