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Weihnachtsgrüße per Notruf

Meldung vom 17.12.2019 350 bis 380 Mal pro Tag klingelt bei den Disponenten der Integrierten Leitstelle in Weiden das Telefon, weiß ihr Leiter Jürgen Meyer. Im Advent ist das nicht anders, am Heiligen Abend aber schon.

Das Telefon bei der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz ist nie still, sagt Leiter Jürgen Meyer. Geht es auf Weihnachten zu, „sind die Leute freundlicher“, sagt Meyer. Dann melden sich Menschen bei der ILS, die den Mitarbeitern per Notruf frohe Weihnachten wünschen wollen. Vor allem am späten Heiligen Abend rufen sie an: „Das sind Leute mit psychischen Erkrankungen. Wenn die Mitarbeiter Zeit haben, nehmen sie die Gespräche an oder vermitteln sie an den Weißen Ring oder die Telefonseelsorge.“

Stress an Heiligabend

An Weihnachten gibt es allerdings auch mehr Kleinbrände, etwa durch umgefallene Kerzen oder ein vergessenes Essen auf dem Herd, mehr Schlägereien in Familien, mehr Verletzte durch Verbrennungen, mehr psychische  Erkrankungen und mehr Krankentransporte, zählt Meyer auf. „Die Krankenhäuser versuchen, viele Patienten noch nach Hause zu bekommen, damit sie Weihnachten dort verbringen können.“ Bis 15 Uhr an Heiligabend sind die Sanitäter im Stress. Die ILS versucht, dass Mütter und Väter am 24. Dezember zwischen 16 und 22 Uhr keine Schicht schieben müssen. Wer arbeiten muss, macht es sich schön: Die Kollegen stellen einen Christbaum auf, kochen füreinander. Meyer weiß genau, wann das Christkind kommt: „Um 16 Uhr fällt der Schalter. Dann ist Weihnachten.“ Bis etwa 20 Uhr gibt es kaum Notrufe. Jedes Jahr um 18 Uhr kommt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zu Besuch.

 

Fast nie ruhig

So ruhig ist es fast nie. Etwa 200 Mal am Tag alarmieren die Disponenten ihre Kollegen für einen Einsatz – 70 Prozent für eine Rettung, in 30 Prozent muss die Feuerwehr ausrücken. 25 Personen pro Tag rufen fälschlicherweise an. Sie wollen eigentlich zu einer anderen Organisation, etwa um Essen auf Rädern oder den Notfallknopf zu bestellen. Die ILS verbindet sie weiter. 15 Mal am Tag gibt es den „Hosentaschenanruf“: „Derjenige weiß gar nicht, dass er uns anruft“, erklärt Meyer. Die Anrufer haben den Notruf unbewusst gewählt. Dann müssen die Disponenten entscheiden, ob es sich um einen echten Notfall handelt, der Anrufer nicht sprechen kann, er gerade kollabiert ist und sie ihn orten müssen oder ob ein Paar beim Sex versehentlich die 112 gewählt hat. 3 bis 5 Mal im Monat gibt es falschen Alarm – meist weil sich Jugendliche einen Streich erlauben. Auch an Silvester gibt es weniger zu tun. Doch die Ruhe währt nur kurz, so Meyer: „Eine Minute nach 0 Uhr und du hast die erste Rakete im Auge.“